Pressebericht: DER TAGESSPIEGEL
09. August 2001
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| Wehrübung Peter Zickenrott berät junge Männer für eine erfolgreiche Ausmusterung |
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Wenn Peter Zickenrott an die Zukunft denkt, bekommt er Angst. Große Angst. Vor implantierten Kennkarten, computergesteuerter Totalüberwachung und der Verfolgung aller, die sich dem System widersetzen. "Die Anzeichen sind doch unübersehbar", sagt Zickenrott. "Die Manipulationsmaschinerie läuft auf Hochtouren."
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Er maße sich die Rolle eines Rechtsbeistands an, dabei ist er nur Heizungsmonteur. Mehr als dieser juristische Winkelzug ist wohl nicht drin. Denn Zickenrott hat vorgesorgt. So hat er die oben erwähnten Tricks mit einem Kommentar versehen: Die Liste sei keine Anleitung; sie stelle "lediglich eine Aufzählung von Verhaltensweisen dar, wie sie mir von verschiedenen Betroffenen berichtet wurden."
Den ganzen Tag über läutet bei Zickenrott das Telefon, und er berät seine Kunden, wie sie bei der Musterung ihre endogene Depression an den Mann bringen können. Angst, sagt er, sei das beste Argument für die Ausmusterung. Zickenrott weiß, wovon er spricht. Denn er wurde selbst wegen Angstzuständen ausgemustert: 1979 war das, während der Afghanistankrise; er dachte, der Dritte Weltkrieg breche aus. Zickenrott hat schon sein Leben lang Angst. Angst, etwa mit dem Flugzeug abzustürzen. In seinem Arbeitszimmer hat er sich vor seinem letzten Urlaub einen Zettel an die Wand geheftet: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flug zwischen Deutschland und den USA ums Leben zu kommen, betrage, statistisch gesehen, 1 zu 77 867. "Das gibt mir Sicherheit", sagt er. In einer Welt, in der Waschbrettbauch und Porschefahren die größte Lebensfreude versprächen, bekomme doch jeder einen psychischen Knacks, sagt Zickenrott: "Dieses System nimmt aber die Fähigkeit, ihn wahrzunehmen." Zickenrott hilft bei der Selbsterkenntnis. Simulieren hat da keiner mehr nötig. Eine Logik, gegen die kein Staatsanwalt ankommt. Birgit Logas Stimme am Telefon klingt, als sei sie deswegen persönlich beleidigt. "Man muss trotzdem fragen, ob Herrn Zickenrotts Wirken nicht gegen die guten Sitten verstößt", sagt sie. Aber Zickenrott kämpft weiter: selbstlos, sagt er, und ohne Rücksicht auf sein Wohlbefinden. Das klingt nach einer schönen Geschichte. Leider hat sie einen Haken. Denn der Ausmusterungsberater stellt 550 Mark in Rechnung für jede Beratung. Mit genauen Schätzungen über die Zahl seiner Kunden hält Zickenrott sich zurück, seit er die Steuerfahnder am Hals hatte. Auf seiner Internet-Seite ist von 12 500 Fällen die Rede. "Das meiste Geld geht ohnehin für die Anwälte drauf", sagt er. Fragwürdig ist zudem, dass er auch Zivildienstleistenden die Ausmusterung ermöglicht. Aber seine Motive sind zweitrangig, solange das Geschäft läuft und er der Bundeswehr Ärger macht. Doch wie lange noch? Die Forderungen nach Abschaffung der Wehrpflicht werden ja auch innerhalb der SPD lauter. Es ist schon eine seltsame Situation: Zickenrott, der selbst ernannte Ausmusterungsberater, lebt vom Bestand der Wehrpflicht. Dennoch wäre es ihm lieber, sie würde abgeschafft. Einer wie er würde sicher was anderes finden. Der Kampf gegen das System ist schließlich nie zu Ende. |
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